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Von der Brandgilde zur modernen Feuerwehr

Am 6. Januar 1912 trafen sich Bürger der damaligen Landgemeinde Kurzenmoor (1991 per Bürgerentscheid umbenannt in Gemeinde Seester), zu der neben dem Ortsteil Kurzenmoor auch die Ortsteile Seester, Groß Sonnendeich, Klein Sonnendeich, Seesteraudeich, Holstendorf und Finkenburg gehörten, in dem heute nicht mehr existierenden Gasthaus Lüders in Seester, um die Statuten und das Gründungsprotokoll aufzustellen. Die Freiwillige Feuerwehr Kurzenmoor-Seester war geboren. Doch schon lange zuvor gab es ein organisiertes Feuerlöschwesen im Bereich der heutigen Gemeinde Seester.

 

Die Brandgilden seit dem späten Mittelalter

Der Brandschutz in den Städten und Gemeinden war seit jeher Gegenstand öffentlicher Aufmerksamkeit. Denn noch viel stärker als heute waren die Folgen von Schadensfeuern in früheren Zeiten existenzbedrohend für die Betroffenen. Eng verknüpft mit der Brandbekämpfung waren die Brandvorsorge und Brandversicherung in Form von Brandgilden. Diese Brandgilden waren zumeist als Versicherungen auf Gegenseitig organisiert.

Zu den althergebrachten Regelungen zählte auch der Brauch, dass die Dorfbewohner bzw. Gildemitglieder dem Abgebrannten unentgeltlich die Brandstätte aufräumten, Holz, Steine, Sand und Reet anfuhren und das neue Haus richten halfen. Ein Richtfest war hierbei der einzige Lohn für die Helfer. Die Tradition des Richtfestes, zu dem Handwerker, Freunde und Nachbarn eingeladen werden, hat sich in ihrem Kern bis heute gehalten. Die Gilden richteten schon sehr früh ihr Augenmerk auf das Vorhandensein von Feuerlöschgeräten wie Steigerleiter und Löschwassereimer in den Häusern, auf deren Zustand bei den regelmäßigen Brandschauen streng geachtet wurde.

 

Verstaatlichung und Pflichtfeuerwehren

Per Verordnung der königlichen Regierung wurden 1735 die meisten Gilden mit ihren nur auf lokaler Ebene durchzusetzenden Vorschriften aufgelöst und stattdessen 1739 die „Königliche Generale Brand-Gilde und Assecurance-Casse Verordnung für die Herrschaft Pinneberg“ erlassen. Mit dieser Verordnung war eine Kombination aus Brandverhütungsvorschriften und Regelungen für Schadensfälle geschaffen worden, also eine Art staatlicher Feuerversicherung. Damit einhergehend war fortan auch jeder Bürger verpflichtet, sich im Falle eines Feuers aktiv an der Brandbekämpfung zu beteiligen und damit die Grundlage für eine Art Zwangs- bzw. Pflichtfeuerwehr geschaffen.


Mit Einverleibung der Herzogtümer in den preußischen Staatsverband  wurde die Aufsicht über das Feuerlöschwesen endgültig verstaatlicht. Fortan gab es regelmäßige Brandschauen durch die Polizeibehörde und Gemeindevorsteher sowie „Brandschaukommissionen“ in jedem Ort, welcher der Bürgermeister, ein örtlicher Brandmeister, ein technischer Beamter sowie der Bezirksschornsteinfegermeister angehörten. Handdruckspritzen wurden beschafft und zum Unterstellen derselben erste Spritzenhäuser errichtet. 1889 wurde in Kurzenmoor für jede Spritze ein Löschbezirk gebildet, welcher Lösch- und Sicherungsmannschaften sowie einen Steigerkorps zu stellen hatte.
 

Handdruckspritze

 

Das Steigerkorps der Spritze Kurzenmoor

Nach und nach wurden die Pflichtfeuerwehren der Städte und Gemeinden durch freiwillige Männer abgelöst, die sich in Form von freiwilligen Feuerwehren als Verein organisierten. Im Kirchspiel Seester, welches zur damaligen Zeit neben der Landgemeinde Kurzenmoor auch die Gemeinde Seestermühe sowie den süd-westlichen Teil der heutigen Stadt Elmshorn (Wisch/Köhnholz/Klostersande) umfasste, war es der Lehrer Sönningsen, der den Stein zur Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr in rollen brachte.

Selbst aktiver Feuerwehrmann in Elmshorn, wusste er auf einer Einwohnerversammlung des Kirchspiels Seester mit seinem Vortrag über das Löschwesen zu begeistern. In unserer Nachbargemeinde Seestermühe kam es denn auch 1889 zur Gründung einer Wehr. In der Gemeinde Kurzenmoor wurden die Planungen ebenfalls aufgenommen und waren sehr bald weit fortgeschritten. Freiwillige hatten sich bereit erklärt, der Wehr beizutreten. Aufgrund der weiten Entfernung zwischen den Ortsteilen, der schlechten Straßenverhältnisse und der Fortbewegung zu Fuß, per Fahrrad oder mit dem Pferd sollte es innerhalb der Gemeinde zwei Spritzenhäuser in den Ortsteilen Kurzenmoor und Seester geben. Der dem Spritzenhaus am nächsten wohnende Bauer hatte stets die Pflicht, bei einem Alarm mit seinen Pferden zum Gerätehaus zu eilen und diese vor der Spritze einzuspannen.

Dennoch wurde die Arbeit der Feuerwehr zunächst noch bis 1912 von einem „Steigerkorps der Spritze in Kurzenmoor“, auch "Brandwehr" genannt, wahrgenommen, welchem hauptsächlich die Männer des örtlichen Turnvereins angehörten. Warum es trotz der weit fortgeschrittenen Planungen erst am 6. Januar 1912 zur Gründung einer freiwilligen Feuerwehr kam, ist leider nicht mehr überliefert.

 

Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Kurzenmoor-Seester

Am 6. Januar 1912 wurde schließlich aus dem „Freiwilligen Steigerkorps“ die "Freiwillige Feuerwehr Kurzenmoor-Seester", so der offizielle Gründungsname der heutigen Freiwilligen Feuerwehr Seester. Von den 34 anwesenden Männern, die sich in der Gaststätte Lüders (heute Kirchensaal der Kirchengemeinde) in Seester trafen, trat der größte Teil der Feuerwehr bei. Auf drei Seiten ist der Inhalt der Gründungsversammlung im Protokollbuch festgehalten und noch heute im Original vorhanden. Erster Hauptmann der Wehr wurde August Früchtnicht, der zuvor bereits seit 1910 dem „Steigerkorps“ als Oberbrandmeister vorstand.
 

August FrüchtnichtBereits auf der ersten Versammlung wurde die Anschaffung von Uniformen beschlossen. Aus dem Originalprotokoll ist zu ersehen, dass zum damaligen Zeitpunkt eine maßgeschneiderte Uniform 17,40 M per Stück kostete, Helm und Schild für 5,95 M zu erwerben waren und der Gurt 1,60 M kostete.


Um die Kameraden besser absichern zu können, wurde 1913 der neugegründeten Schleswig-Holsteinischen-Feuerwehr-Unfallkasse und ab 1914 der Haftpflichversicherung beigetreten.

 

Das älteste uns bekannte Gruppenbild unserer Wehr stammt aus dem Jahre 1930. Insgesamt sind darauf 40 Kameraden abgebildet, darunter viele der Gründungsmitglieder. Zahlreiche Familiennamen tauchen auch heute noch in den Mitgliederlisten der Seesteraner Feuerwehr auf.


Leider sind aus den ersten Jahrzehnten des Bestehens keine Einsätze schriftlich festgelegt. Durch mündliche Überlieferung sind aber einige größere Brände bekannt, so z. B. im Juni 1920 und Mai 1924 jeweils der Brand des Kurzenmoorer Bauernhof Harms, Ostern 1925 vernichtete ein Feuer den Saal und die Bäckerei von Familie Riedel in der Dorfstraße, wobei der im Haus wohnende junge Geselle getötet wurde. Aus diesen großen Feuern ging dann auch der Kauf der ersten Motorspritze (Typ "Siegerin") 1929 hervor. Zuvor kam es bereits 1924 zur Gründung eines "Feuerlösch-Zweckverbandes" zwischen der Stadt Elmshorn und ihren Umlandgemeinden, welcher über eine Überlandmotorspritze verfügte. Für diese stellte die Elmshorner Wehr die Stammbesatzung, welche dann bei einem Brand im Umland durch eine Löschgruppe des jeweiligen Ortes unterstützt wurde. Zu zwei nachbarschaftlichen Löschhilfen rückten unsere Kameraden im Jahre 1933 nach Klein Nordende und Rosengarten aus, aus dem Jahre 1939 ist noch ein Feuer nach einem Blitzeinschlag in das Haus der Familie Karp bekannt, welches vollständig abbrannte. 1939 wurde schließlich auch das erste eigene, motorisierte Fahrzeug in Dienst gestellt - eine vermutlich gebraucht erworbene Kraftfahrspritze (KS) der Marke Magirus für die Löschgruppe in Seester.
 

Das erste uns bekannte Gruppenbild der FF Seester aus dem Jahre 1930

 

Gerade die Kriegszeit hat große Lücken in den Protokollbüchern hinterlassen, einige Einsätze sind aber auch hier mündlich überliefert. So wurden zwei große Bauernhöfe durch Bomben vollständig zerstört. Am 3. Mai 1945 wurden durch eine Tieffliegerbombe 10 Personen im Bauernhaus von Karl Mohr jr., Kurzenmoor, getötet. Ein weiterer Angriff mit Phosphor- und Brandbomben zerstörte in den letzten Kriegstagen den Hof von Johann Früchtenicht, Groß-Sonnendeich. Auch wurden Einsätze bei den Bombenangriffen in Elmshorn und in Hamburg gefahren. Während des Kriegs wurden die Feuerwehren, die zu diesem Zeitpunkt hauptsächlich aus Frauen und älteren Männern bestanden, bewaffnet und fortan auch im Luftschutz- und im Wachdienst eingesetzt. So galt es unter anderem, Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter zu begleiten. Letztere wurden in Kurzenmoor auf verschiedenen Bauernhöfen, in einer Stellmacherei oder auch in den Klinkerwerken eingesetzt. Bürgermeister Claus-Michael Hell allerdings weiterte sich zumeist, diese Aufgaben von der Feuerwehr durchführen zu lassen. So „einigte“ man sich mit den Kriegsgefangenen dahingehend, dass diese selbstständig und ohne bewaffnete Begleitung den Weg zu ihrem Arbeitsplatz antraten und am Abend selbstständig wieder zurückkehrten, was diese auch bereitwillig taten. So ganz konnte man sich den Kriegsaufgaben allerdings doch nicht entziehen. Als am 18. Juni 1944 ein Bomber der 8. US Army Air Force über Elmshorn abgeschossen wurde, deren vierköpfige Besatzung sich durch den Fallschirm retten konnte, hatte die Feuerwehr die Aufgabe, zwei auf dem Gebiet der Gemeinde Kurzenmoor gelandete „feindliche Flieger“ festzunehmen und ins Gefängnis zu überführen. Schon seit den 1930er Jahren waren aus den als Verein organisierten freiwilligen Feuerwehren staatliche Organe bzw. Behörden geworden. Auch heute noch sind die Feuerwehren öffentliche Einrichtungen der Städte und Gemeinden, die auf gesetzlicher Grundlage hin aufzustellen sind.

 

Die Feuerwehr in der Nachkriegszeit

Mit der Kapitulation Deutschlands wurden die Feuerwehren als bewaffnete Verbände durch die Siegermächte zunächst verboten. Da der Brandschutz aber auch weiterhin gewährleistet werden musste, ließ man die Wehren alsbald wieder zu.

Das alte Spritzenhaus in Kurzenmoor gegenüber der Gaststätte Hell

1954 wurde mit dem Neubau des Gerätehauses in Seester an der Stelle der alten, sich in einem sehr schlechten Zustand befindlichen Unterkunft begonnen. Von den Einsätzen sind aus dieser Zeit nur die größeren Brände überliefert: Unter anderem brannte es 1951 bei Cordes (Seesteraudeich), 1956 bei Loop (Seestermühe), 1957 bei Hauschildt (Kurzenmoor), 1958 zwei Mal in Klein Nordende, sowie bei Hell und Detjens (Seestermühe) sowie Hauschildt (Neuendeich).
1966 wurde das alte Spritzenhaus in Kurzenmoor, welches direkt gegenüber der Gaststätte Hell (heute Hof Haß) gelegen war, abgerissen und durch eine neue Garage auf der gegenüberliegenden Straßenseite neben Hof Karl Mohr (später Hans Gebers) ersetzt.

 

Mittlerweile wurden die alten Feuerhörner von Sirenen abgelöst, so dass eine schnellere und einfachere Alarmierung möglich war, überhaupt machte die Technik auch im Bereich des Löschewesens große Fortschritte. Immer öfter wird auch die Schulung von Feuerwehrangehörigen an der Landesfeuerwehrschule erwähnt, ein Zeichen dafür, dass die Technik immer mehr Einzug bei der Feuerwehr erhielt.

Ab etwa 1970 werden die Ausführungen in den Protokollbüchern erfreulicherweise immer genauer und umfangreicher, sodass sich von nun an die Geschichte der Wehr besser nachvollziehen lässt. Erstmals wird 1969 die Hilfe bei einem Verkehrsunfall in Kurzenmoor erwähnt - die technische Hilfeleistung erhält Einzug in den Feuerwehralltag und stellt heute, fast 50 Jahre später, einen Großteil des Einsatzgeschehens der Feuerwehren dar. Neben weiteren größeren und kleineren Bränden rückte die Wehr 1976 zur Hilfe bei der Sturmflut in der Haseldorfer Marsch mit aus und war dort über viele Tage hinweg pausenlos im Einsatz. Eine Gaststätte am Seesteraudeich wurde 1983 durch ein Großfeuer nach Brandstiftung zerstört.


Erstmalig wird zu dieser Zeit auch eine Gemeinschaftübung mit den Wehren aus Seestermühe und Neuendeich durchgeführt, um die Zusammenarbeit weiter zu verbessern. Bis heute wird einmal jährlich reihum in einer der drei Gemeinden geübt. Zum Tragen kamen die Erfahrungen aus diesen Übungen auch 1984, als ein brenenndes, reetgedecktes Gebäude am Seesteraudeich mit intensivem Innen- und Außenagriff gehalten werden konnte. Zum Einsatz kamen hier die Atemschutzgeräteträger, die unsere Wehr seit 1980 kontinuierlich ausbilden lies. Da heute ein effektiver Löschangriff ohne umluftunabhängigen Atemschutz kaum noch möglich ist, kann die FF Seester stolz darauf sein, bei rund 50 aktiven Mitgliedern auf ca. 30 Atemschutzgeräteträger zurückgreifen zu können.


Seit Mitte der 1980er Jahre wurden die Kameraden der Seesteraner Wehr nach und nach mit Funkmeldeempfängern ausgerüstet, um die Alarmierung weiter zu verbessern. Anfänglich nur als zusätzliches Alarmierungsmittel für die in den Außenbereichen und damit außerhalb des Wahrnehmungsbereiches der Sirenen in der Gemeinde wohnenden Kameraden beschafft, verfügen heutzutage sämtliche ehrenamtlichen Feuerwehrleute in Seester über einen Funkmeldeempfänger. Im Gegensatz zu den Sirenen können beispielsweise bei kleinen Einsätzen eine bestimmte Anzahl an benötigten Kräften alarmiert werden ohne "Vollalarm" auszulösen, unnötige lange Anfahrtswege von auswärts arbeitenden Kameraden am Tage während entfallen so. Im Gegenzug ist aber auch die Reichweite der Funkmeldeempfänger ungleich höher als bei den Sirenen, da die Melder am Mann getragen werden und bspw. auch in Hamburg noch Empfang haben. Bei einem Großeinsatz mit hohem Personalaufwand können so auch diejenigen Kameraden für den "2. Abmarsch" benachrichtigt werden, welche einen längeren Anfahrtsweg haben. Im Jahre 2008 wurde die Alarmierung der Feuerwehren in Schleswig-Holstein auf die digitale Alarmierung umgestellt. Aus Sicht der meisten Freiwilligen Feuerwehren eine unnötige Umstellung, welche die Städte und Gemeinden sehr viel Geld kostet, die aber von der Landesregierung vorgeschrieben und beschlossen wurde.


Frühzeitig stieg unsere Wehr in das Thema Brandschutzerziehung- und aufklärung ein, Mitte der 80er wurden Räumungsübungen an Schule und Kindergarten gefahren, in den 90ern wurde dies durch gewählte Brandschutzerzieher weiter ausgebaut und Schulungen an diesen Einrichtungen gehören nun zum festen Bestandteil des Jahresablaufs.

 

Bau des Feuerwehrhauses am Schulsteig 1992
Mit dem Neubau des Feuerwehrgerätehauses am Schulsteig 1992, welches die beiden alten Gebäude an der L109 im Ortsteil Kurzenmoor und an der Dorfstraße im Ortsteil Seester ersetzte, wurde ein weiterer bedeutender Schritt in die Zukunft gemacht. Von nun an trafen sich die Kameraden der beiden Gruppen gemeinsam zu den Übungsabenden, die Löschgruppen "Kurzenmoor" und "Seester" wurden zur Gruppe 1 und Gruppe 2.

 

Gerade in den 90ern wurde die Technik umfangreich erweitert, bedingt durch die abnehmende Bedeutung von Brandeinsätzen und die sich immer mehr in den Vordergrund drängenede technische Hilfeleistung. Mit der Neubeschaffung unseres Löschgruppenfahrzeug LF 8/6 im Jahre 1996 erhielten wir erstmals hydraulische Rettungsgeräte wie Schere, Spreizer und Zylinder. 1999 folgte das neue Tragkraftspritzenfahrzeug TSF.

 

Aus Kurzenmoor wird Seester - und aus der Feuerwehr Kurzenmoor-Seester die Feuerwehr Seester

Nach einem Bürgerentscheid wurde 1991 aus der "Gemeinde Kurzenmoor" die "Gemeinde Seester". Nach der räumlichen Zusammenlegung der ehemals nach Ortsteilen getrennten Löschgruppen der Wehr kamen erste Überlegungen zur Umbenennung der "Freiwilligen Feuerwehr Kurzenmoor-Seester" auf. Junge Kameraden scheiterten mit ihrem Vorstoß allerdings an ihren älteren Kollegen, die zum einen noch zu sehr mit dem historischen Namen verwurzelt waren. Mit der zunehmenden Nutzung von Computern und digitalen Formularen erwies sich der alte Wehrname zunehmend problematisch. Zudem wurde durch den Doppelnamen bei Ortsfremden der Eindruck erweckt, es handele sich bei Kurzenmoor und Seester um zwei eigenständige Gemeinden mit gemeinsamer Feuerwehr. Erst Anfang 2007 signalisierte der Gemeinderat schließlich, die Umbenennung notfalls auch ohne Einwilligung der Kameraden herbeiführen zu wollen. Der mittlerweile mit der Prüfung der Rechtmäßigkeit beauftragte Landesfeuerwehrverband erklärte im Herbst des selben Jahres schließlich, dass die Feuerwehr als nicht-selbstständige, öffentlich-rechtliche Einrichtung der Gemeinde ohne eigene Rechtspersönlichkeit den Namen der aufstellenden Kommune tragen sollte.

 

Mit gemeinsamen Übungen mit der Freiwilligen Feuerwehr Klein Nordende seit 1997 und erstmalig auch 2002 mit der Elmshorner Wehr wurde die Zusammenarbeit auch in diesem Bereich gestärkt.

Wie wichtig diese gemeinsamen Übungen sind, zeigten zuletzt mehrere große Einsätze, welche diese Wehren gemeinsam zu absolvieren hatten - so arbeiteten z.B. die FF Seester und die FF Elmshorn Hand in Hand bei einem tragischen Unglück im Sommer 2002, als auf der L109 (Kurzenmoor) ein Pkw frontal mit einem auf die Straße einbiegenden Traktor samt Heuanhänger kollidierte. Während der Beifahrer beinahe unverletzt dem Fahrzeugwrack entsteigen konnte, kam für den 21-jährigen Fahrer jede Hilfe zu spät, er konnte nur noch tot geborgen werden.

Auch der Großbrand des mehr als 400 Jahre alten, landwirtschaftlichen Komplexes der Familie Früchtnicht in Groß Sonnendeich und ein Großfeuer im Elmshorner Autohaus Mohr in der Norderstraße im Sommer 2006 und ein gemeinsamer Einsatz bei einem Sprengstoff-Fund in Klein Nordende im Winter 2007 erforderte ein gemeindeübergreifendes Handeln der Feuerwehren. Gemeinsam mit der FF Seestermühe wurde u.a. im März 2004 ein Großfeuer am Seesteraudeich bekämpft, bei dem das reetgedeckte Zweifamilienhaus der Familie Tiedemann trotz des schnellen Eingreifens der Rettungskräfte vollständig zerstört wurde, beim Brand eines Mehrfamilienhauses in der Elmshorner Hafenstraße 2010, beim Brand eines Bauernhofs im Seesteraner Ortsteil Kurzenmoor 2012, in Neuendeich 2013 sowie bei einem Hochhausbrand in Elmshorn 2014 sowie einem Werkstatt- und Lagerbrand in der Elmshorner Johannesstraße 2016 und nachbarschaftliche Hilfeleistungen wurden wiederholt auch bei schweren Verkehrsunfällen mit drei Schwerverletzten auf der K19 und der L109 notwendig. 
 

Ein weiterer Schritt zur Pflege der Kameradschaft ist das 1998 erstmals durchgeführte Fußballturnier für Feuerwehren auf dem Sportplatz Seester. Bis heute ist dieses jährlich stattfindende Turnier in seiner Form einmalig und erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Körperliche Fitness ist bei der Feuerwehr eine wichtige Voraussetzung, um die z.T. anstrengenden Einsatzsituationen unter schwerer Schutzkleidung und Atemschutz meistern zu können.
 

Mit einer ersten Zusammenkunft der Wehrführer verschiedener Nachbarwehren wurde ein neues Kapitel, nämlich das Kapitel "Jugendfeuerwehr" in unserer Geschichte geschrieben. Nach vielen Treffen und sorgfältiger Vorbereitung wurde am 1. März 2003 die Jugendabteilung in Seester gegründet, welche mit denen in den Gemeinden Groß Nordende und Klein Nordende und seit September 2004 auch Heidgraben zusammen arbeitet.

 

Die Grünungsmitglieder der Jugendfeuerwehr Seester am 01.03.2003

Gemeinsam tritt man bei Kreiswettkämpfen und Zeltlagern als "Jugendfeuerwehr MarGee" (Marsch-Geest-Kooperation) an.

Für den Transport von Kameraden und Materialien erhielt die Feuerwehr mit Gründung der Jugendfeuerwehr im Jahre 2003 ein Mannschaftstransportfahrzeug MTF vom Kreisfeuerwehrverband. Diese "Dauerleihgabe", ein VW T2 "Bully" aus Beständen des Katastrophenschutzes fuhr zwei Jahre im Dienste der seesteraner Brandbekämpfer, ehe erhebliche technische Mängel zu einer Stilllegung des mittlerweile annähernd 30 Jahre alten Fahrzeugs führten. Aufgrund der zunehmend angespannten finaziellen Situation der Kommunen suchte man in Seester nach Alternativen für eine Ersatzbeschaffung des VW. Spendenaufrufe wurden gestartet und schließlich konnte im Frühjahr 2005 bei einem elmshorner Autohaus günstig ein drei Jahre alter Opel Movano gekauft werden. Noch aber gab es viel zu tun, denn das weiße Zivilfahrzeug, welches zuvor für den Arbeiter-Samariter-Bund im Transportdienst tätig war, musste erst zu einem Einsatzfahrzeug ausgebaut werden. Mit Hilfe zahlreicher Firmen, der Werkstatt der Kreisfeuerwehrzentrale, sowie einigen Feuerwehrkameraden konnte der Opel schließlich neu lackiert und zum Einsatzleitwagen ELW 1 ausgebaut werden. Durch Unterstützung der mit dem Ausbau beauftragten Firmen, sowie der Eigenarbeit konnten die Gesamtkosten für Erwerb und Ausbau auf 14000 Euro begrenzt werden. 50% dieser Summe wurden durch die Spendengelder der seesteraner Gewerbebetriebe und Bürger gedeckt werden und auch aus der Brandschutzsteuer flossen Gelder, so dass die Gemeinde mit einem Anteil von rund 4000 Euro nicht groß belastet werden musste. Der ELW 1 steht nun der Jugendfeuerwehr für Fahrten zu Übungen, Veranstaltungen und Zeltlagern zur Verfügung und wird von der Einsatzabteilung der Feuerwehr als EInsatzleitwagen, sowie Personen- und Geräte-Transportfahrzeug genutzt.

 

Im Jahre 2013 beschloss der Gemeinderat der Gemeinde Seester den Neubau eines Dorfgemeinschaftshauses, der als Anbau an das bestehende Feuerwehrhaus realisiert werden sollte. Seit der Einweihung im November 2014 kann nun auch die Freiwillige Feuerwehr auf die Räumlichkeiten des neuen Dorfgemeinschaftshauses zurückgreifen und hier ihre Schulungen und Versammlungen abhalten.
 

2014 wurde ein Dorfgemeinschaftshaus als Anbau zum Feuerwehrhaus errichtet

 

Der Startschuss für die Beschaffung eines neuen Löschgruppenfahrzeugs, welches das für die Bedürfnisse der Wehr zu kleine Tragkraftspritzenfahrzeug ersetzen soll, fiel 2013. Ein nach Landesvorgaben aufgestellter Feuerwehrbedarfsplan hatte ergeben, dass das 1999 beschaffte Tragkraftspritzenfahrzeug den heutigen Anforderungen an die Wehr mit irem immer größer werdenden Aufgabengebiet und der dafür benötigten Ausrüstung nicht mehr genügt. Nach Ausschreibung, Auftragserteilung und Aufbau des Fahrzeugs wird das neue Löschgruppenfahrzeug vom Typ (H)LF 10 voraussichtlich im ersten Quartal 2017 in die Fahrzeughalle Einzug erhalten.

 

 

 



Eine umfangreiche Darstellung der Geschichte und Entwicklung der Freiwilligen Feuerwehr Seester finden Sie auch in unserem Jubiläumsheft zum 100-jährigen Bestehen der Wehr im Jahre 2012: Jubiläumsheft: "100 Jahre FF Seester"

 


 



Eine Aufarbeitung der Fahrzeuggeschichte bei der Feuerwehr Seester finden Sie zudem unter folgendem Link "Fahrzeuggeschichte der Feuerwehr Seester"