Einsatz: FEU 4 Y - Großfeuer vernichtet Reetdachanwesen in Seester
Großfeuer am Sonnabend Mittag in Seester. Jugendfeuerwehr und Einsatzabteilung hatten gerade mit zahlreichen Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde den jährlichen „Dorfputz“ beendet, bei dem die Natur von herumliegendem Müll befreit wird, als die Leitstelle West die Wehr mit um 11:42 Uhr dem Stichwort „FEU GY“ zu einem Schornsteinbrand an einem Reetdachhaus an der Straße Kurzenmoor alarmierte. Die Fahrzeuge wurden umgehend besetzt und trafen rund vier Minuten nach der Alarmierung an der Einsatzstelle ein.
Bereits auf der Anfahrt konnte eine starke Rauchentwicklung ausgemacht werden. Vor Ort angekommen, stellten die Kräfte auf der gesamten Länge des großen Reetdachgebäudes, einem inzwischen zu Wohnzwecken und durch eine Naturheilpraxis umgenutzten, ehemaligen landwirtschaftlichen Anwesen, gelben pulsierenden Rauch aus der Traufe des Daches fest.
Zwei Bewohner und ein Hund konnten durch die Feuerwehr aus dem Gebäude gerettet werden. Über den Verbleib zweier weiterer Bewohner herrschte zunächst Unklarheit, so dass im ersten Schritt durch Atemschutzgeräteträger der FF Seester sowie der ebenfalls mitalarmierten FF Klein Nordende die Personensuche im Innenangriff eingeleitet wurde. Allerdings musste diese im Obergeschoss bereits nach kurzer Zeit abgebrochen werden, da hier bereits mehrere Zimmer im Vollbrand standen. Die vermissten Bewohner meldeten sich in der Folge bei der Einsatzleitung – sie waren bei Brandausbruch nicht zu Hause.
Zum Schutz einer benachbarten Pferdeklinik, ebenfalls ein historisches Reetdachanwesen in nur ca. 25 Metern Entfernung zum Brandobjekt, wurde eine Riegelstellung aus mehreren handgeführten Strahlrohren und über die Drehleiter der FF Elmshorn aufgebaut. Dieses Gebäude konnte erfolgreich gerettet werden.
Ein Löschangriff auf das Brandobjekt wurde mit zahlreichen handgeführten Strahlrohren aus rund um das Gebäude durchgeführt. Hierbei kamen zahlreiche Atemschutzgeräteträger der Wehren aus Seester, Klein Nordende, Seestermühe und Elmshorn zum Einsatz.
Aufgrund der instabilen und nicht ausreichenden Wasserversorgung musste durch die FF Seestermühe eine Wasserversorgung aus einem ca. 800 Meter entfern liegenden Bohrbrunnen, durch die FF Elmshorn eine Wasserversorgung aus einem ca. 1.000 Meter entfernt liegenden Bohrbrunnen/Hydranten sowie durch die Feuerwehrbereitschaft des Kreises Pinneberg (FF Tangstedt, FF Heist, FF Borstel-Hohenraden) über eine Wegstrecke von ca. 1.500 Metern von der B431 aus aufgebaut werden.
Die Technische Einsatzleitung des Kreises Pinneberg unterstützte die Einsatzleitung.
Am Nachmittag rückten das THW Pinneberg mit einem Teleskoplader und der Raupenbagger eines örtlichen Tiefbauunternehmens an, um einsturzgefährdete Bereiche einzureißen und versteckte Brandnester freizulegen.
Der ABC-Dienst des Kreises Pinneberg führte Benzin und Diesel zum Betrieb der Fahrzeuge, Pumpen und Stromaggregate nach und legte auf Anordnung der Umweltbehörde Ölschlengel in umliegenden wasserführenden Gräben aus.
Die FF Wedel rückte auf Anforderung der Polizei mit ihrer Drohne an, um Luftaufnahmen des Brandobjekts zu machen.
Das DRK Elmshorn richtete auf einem benachbarten Gehöft eine Verpflegungsstation für die Einsatzkräfte mit kalten und warmen Speisen sowie Getränken ein.
Die Feuerwehrtechnische Zentrale des Kreises Pinneberg brachte neue Atemluftflaschen und Schlauchmaterial an die Einsatzstelle, der Kreisfeuerwehrverband war u.a. mit Pressesprechern im Einsatz.
Der Rettungsdienst RKiSH war zeitweise mit drei Rettungswagen und einem NEF im Einsatz, um sich um die Bewohner zu kümmern und den Einsatz der Feuerwehr abzusichern.
Durch die Polizei wurde die Einsatzstelle großräumig zwischen den Kreuzungen Schulsteig, Neuer Weg und B431 gesperrt.
Insgesamt waren in Spitzenzeiten bis zu 160 Einsatzkräfte vor Ort.
Aufgrund der starken Rauchentwicklung wurde eine Bevölkerungswarnung über MOWAS für die Gemeinden Seester, Seestermühe und Raa-Besenbek ausgegeben und die Bewohner aufgefordert, Fenster und Türen geschlossen zu halten.
Bis 18.30 Uhr konnten nach und nach alle externen Kräfte aus dem Einsatz entlassen werden. Ab 20.00 Uhr verblieb noch das HLF 10 der FF Seester als Brandwache vor Ort. In drei Schichten wurden bis ca. 6.00 Uhr am Sonntag Morgen Nachlöscharbeiten durchgeführt.
Gegen 13.00 Uhr rückte eine Gruppe nochmals an die Brandstelle aus, um erneut einzelne Brandnester abzulöschen.
Die Aufräum- und Reinigungsarbeiten werden sich noch einige Tage hinziehen.
Wir bedanken uns an dieser Stelle herzlich bei allen eingesetzten Feuerwehren und Organisationen sowie Kameradinnen und Kameraden für die hervorragende Zusammenarbeit.
Einsatzleiter:
HBM Lasse Hell (Wehrführer FF Seester)
Im Einsatz:
Feuerwehren Seester, Klein Nordende, Elmshorn, Seestermühe, Wedel (Drohne), Feuerwehrbereitschaft (Pinneberg, Tangstedt, Heist, Borstel-Hohenraden), Technische Einsatzleitung Kreis Pinneberg, ABC-Dienst/LZ-G Kreis Pinneberg, Feuerwehrtechnische Zentrale Kreis Pinneberg, Kreisfeuerwehrverband Pinneberg, THW Elmshorn, THW Pinneberg, Rettungsdienst RKiSH, DRK Elmshorn, Polizei, Kripo, Umweltbehörde, Wasser-, Strom- und Gasversorger, privates Tiefbauunternehmen, Bürgermeister, Pastor (als Seelsorger), Stellv. Kreiswehrführer (ca. 160 Kräfte)













